Mal wieder muss ich mich für die lange Schreibpause entschuldigen. Mit ein Grund ist, dass ich meine erste Malaria hier bekommen habe, nachdem ich Besuch hatte und ein paar Tage später habe ich mir richtig schön den Magen verdorben.
Was ist inzwischen alles passiert? Ich hatte Besuch von Vater, Bruder und Stiefmutter im Juni für zwei Wochen. Für mich natürlich ganz toll, endlich mal wieder ein paar bekannte Gesichter zu sehen und ihnen zu zeigen wie und wo man denn eigentlich so lebt. Dinge die für mich inzwischen völlig normal sind, waren für meinen Besuch natürlich super interessant. Da merkt man erstmal wie man sich in seinem Leben hier anpasst.
Nach einem Tag Großstadt ging es weiter mit dem Bus direkt ins Kinderdorf. Dann weiter nach Iringa und in den Ruaha National Park. War alles ziemlich aufregend, nicht nur weil wir Nachts im Ruaha eine 3 Meter Schwarze Mamba auf der Toilette hatten. Zum Abschluss haben wir dann Sansibar besucht mit drei Tagen am Strand, Backgammon spielen im Indischen Ozean und einen Tag Stonetown. Überflüssig zu erwähnen das die Zeit viel zu schnell vorbei ging.
Bevor ich dann zurück ins Kinderdorf fuhr, hatte ich noch die Gelegenheit das Freundschaftsspiel Tansania gegen Brasilien live im Stadion zu sehen. Allein der Ticketkauf war schon ein Erlebnis für sich. Erst ging es zu TFF (Tanzania Football Federation), vergleichbar mit dem DFB. Das Vereinshaus war eine Mittelgroße Wellblechhütte mit Fußballplatz, Karten gab es aber keine. Also weiter zum Stadion. Dort war der Ticketschalter ein Minibus der hinter ein Gittertor gestellt wurde. Die billigsten Tickets haben 30.000 Tsh (ca. 15€) gekostet, für das Geld kann man in Dar es Salaam auch eine Haushälterin für einen Monat bezahlen. Die teuersten Tickets haben 200.000 Tsh gekostet (100€). In dem Stadion, dass Platz für 60.000 Leute bietet haben sich dann auch 15.000 Menschen eingefunden, die aus voller Brust die Nationalhymne mitgesungen haben. Nicht weiter erwähnenswert das die CD anscheinend einige Kratzer hatte und deswegen ständig hing oder das der gute Mann der den Riesen Bildschirm bediente dauernd irgendwelche Werbefilme eingeblendet hat, die mit ihrem Sound die Nationalhymne unterlegt haben. Das Spiel an sich war weniger interessant. Ein Flitzer, sechs Tore, fünf davon für Brasilien, eines für Tansania. Nach dem Spiel haben dann 15.000 Menschen über eine einspurige Straße versucht nach Hause zu kommen. Ich hab ganze 3 Stunden gebraucht. Das ist Afrika. Hauptsache ein riesiges Stadion, aber keine Infrastruktur.
Nach drei Tagen Kinderdorf hat mich auch gleich eine Malaria erwischt und mich 1 ½ Wochen außer Gefecht gesetzt. Ein echt dummes Gefühl in dieser Situation zu wissen, dass es keinen kompetenten Arzt im 600km Umkreis gibt. Kurz darauf kam dann eine Magenverstimmung, auch nicht gerade spaßig. Jetzt bin ich auch wieder mit voller Energie im Kinderdorf.
Mein Brotprojekt läuft auf vollen Touren. Von dem Profit der letzten vier Wochen konnten wir eine ganze Mama Stelle im Kinderdorf refinanzieren. Brot und Pilze verkaufen wir jeden Freitag im Neema Craft Caffee in Iringa. Mit braunem Brot und Pilzen die es nur zur Saison gibt, haben wir eine echte Marktlücke aufgetan. Weitere Verkaufsstellen versuche ich noch zu akquirieren.
Die Wochenendeaktionen mit den Kindern laufen auch gut, diese Woche ist Chips Mayai (Pommes Omlett) machen und Disco angesagt. Letzte Woche sind wir mit den älteren die Berge hoch gestiegen. Bei Gipfelerstürmung gab es Bonbons und bei Rückkehr ins Dorf eine Limonade für jeden. Ich hoffe ich komme die Tage bald wieder zu einem Eintrag. Versprechen möchte ich inzwischen nichts mehr.
So endlich mal wieder ein Blogeintrag. Ein weiterer folgt die Tage, versprochen. Hatte gestern das Vergnügen oder bessergesagt die Chance das mir jemand auch die Zeitschriften in tansanischer Sprache übersezen. Natürlich musste ich mir dann gleich mal zwei besonders schmutzige Zeitungen kaufen. Die sind natürlich keinen Meter besser als unsere Bild-Zeitung. Mir wurde erzählt das eine der Zeitungen die ich gekauft habe mal ein Facebook Profilbild veröffentlicht hat und einfach eine komplett erfundene Story dazu geschrieben hat. Könnte auch die Bildzeitung gewesen sein…
Zahlenvergleich
538 Plätze für Gefangene im Gefängnis von Arusha – 1500 Insassen im Gefängnis von Arusha (Juli 2009)
Mord an Top-Anwalt schockt Nation (Law guru’s murder shocks nation) (The Guardian, 15. Juli 2010)
Der kaltblütige Mord an dem renomierten Anwalt und lang gedienten Lehrer an der Universität von Dar es Salaam Prof. Jwani Timothy Mwaikusa hinterlässt eine Nation schockiert und ungläubig. Der Anwalt wurde zusammen mit seinem Nachbarn und Neffen vor seinem Haus erschossen. Der Anwalt stand in dem Ruf sich weder bestechen zu lassen noch sich dem willen der Regierungspartei zu beugen. Das ist leider alltag im tansanischen Rechtssystem, man lässt sich bestechen oder beugt sich der Regierung um Repressionen aus dem Weg zu gehen.
Dorfbewohner geht für Viehdiebstahl 15 Jahre ins Gefängnis (The Guardian, 15. Juli 2010)
Der Beschuldigte hat 11 Kühe im Wert von 3.5 Millionen Tanzania Schilling (ca. 2000€) geklaut. Zum Vergleich: Eine gute europäische Milchkuh kostet hier 1.5 Millionen Tansania Schilling. Der Viehdieb hat HIV/AIDS und nimmt Antiretroviale Medikamente. Deswegen bat er das Gericht um eine milde Strafe. Dieses schöpfte das Strafmaß jedoch komplett aus mit einer abschreckenden Wirkung als Begründung. Währenddessen wurden drei Mitangeklagte freigesprochen.
Hochzeit der Schande – Eltern und Gäste geschockt (Amani Alhamisi 15 – 21 Juli 2010)
Hochzeit von zwei nicht weiter berühmten Leuten wurde 7 Minuten vor dem Ja-Wort abgebrochen. Hintergrund war wohl das beide vor der Hochzeit zusammen einen Aids Test gemacht haben. Der Aids Test des Mannes viel negativ aus, daraufhin ist die Frau ausgerastet und hat gemeint er hätte die Ärzte bestochen. Wie das jetzt alles genau zusammenpasst habe ich trotzdem nicht verstanden…
Deutschlands WM-Mannschaft ein „haufen Schwuler“ (Germany World Cup squad a „bunch of gays“, claims Ballack’s Agent (The Guardian, 15. Juli 2010)
Also auch solche Nachrichten kommen in Tansania an. Wer mehr wissen will kann auch den Spiegel lesen, auf deren Artikel bezieht sich auch die Nachricht im Guardian.
Brasilianischer Fußballspieler tötet seine Geliebte und verfüttert sie an Hunde (Amani Alhamisi 15 – 21 Juli 2010)
Die Polizei ermittelt in einem Fall indem ein brasilianischer Fußballspieler seine Ex-Geliebte getötet und den Körper an seine Hunde verfüttert hat, nachdem er sie geschwängert hat. Die Frau wurde erwürgt und der Körper in drei Teile zerlegt, involviert waren auch die Frau und einige Freunde des Fußballspielers. Der Spieler wurde von seinem Club suspendiert.
Mama tötet ihr Kind und verkauft Ohren an Witchdoctor (Amani Alhamisi 15 – 21 Juli 2010)
Mama Christine Hofisi(21) aus Simbabwe tötete ihr 18 Monate altes Kind und schnitt ihm das linke Ohr ab. Sie verkaufte das Ohr für 20$ an einen Witchdoctor. Die Polizei sucht den Witchdoctor für ca. 11 Morde. Die Leichen wurden in seinem Haus gefunden.
Opa (90) wird Mädchenraub beschuldigt (Sani 16.Juli)
Karl Kraus wird beschuldigt sexuelle Verhältnisse zu vier Mädchen im Alter zwischen 7 und 15 zu haben. Karl Kraus ist Australischer Staatsbürger der in Thailand lebt und die Mädchen mit Süßigkeiten und Englischunterricht gelockt haben. Eines der Mädchen wurde im Alter von 5 Jahren entführt. In seinem Haus wurden 100 pornographische Fotos von kleinen Kindern und ihm gefunden.
Oft bin ich im Orphanage und die Tage vergehen so schnell, das ist unglaublich. Nicht das es dort nicht aufregend ist – ganz im Gegenteil, aber man kennt sich auf den paar Quadratkilometern dann doch inzwischen ganz gut aus.
Am letzten Montag haben Wiebke, Ursula, Liymo und ich mal einen kleinen “Ausflug” gemacht um einige Dinge jenseits des Compounds zu erledigen. Erst ging es eine Stunde über die Schotterpiste in das auf 2000 Meter hoch gelegene Kilolo. Dort haben wir Ursula und Liymo beim District Commisioner abgesetzt und sind dann weiter in das Amani Orphans Home in Kilolo um die anderen Freiwilligen zu besuchen die wir sonst nur aus Iringa kennen und uns mal das erste von Ursula gegründete Kinderdorf anzuschauen. Hier hat uns nicht nur das trübe, kalte, Wetter an Deutschland erinnert.
Leider hatten wir nicht viel Zeit und für mehr als einen kurzen Rundgang und einen Kaffee hat es nicht gereicht. Ursula haben wir wieder eingesammelt und weiter ging es nach Ihimbo. Dort wollten wir Verwandte suchen die zwei unserer Kinder vermissen und gerne besuchen wollten. Immer habend wir irgendwelche Leute ins Auto geladen die irgendeinen Weg wussten. Ich bin irgendwann hinten auf den Pickup gestiegen da es vorne zu voll wurde und die beeindruckende Landschaft lässt sich hinten im Stehen eh viel besser beobachten. Die Einheimischen fandens auch sehr interessant. Mitten in der Pampa sieht man Mzungus nicht so oft, erst recht nicht auf dem Pickup.
Irgendwann hat es unser Pickup auch den Hügel hoch geschafft und nach 15 Minuten Fußmarsch waren wir dann auch an der Hütte von der Oma eines unserer Kinder. Eine beeindruckende Frau, das harte Leben auf der trockenen Erde hat tiefe Falten im Gesicht gezeichnet. Ihr breites Lächeln offenbarte, dass sie nur noch ein halbes Gebiss hatte und der dicke Joint im Mund wäre ihr auch fast raus gefallen. Voll stoned hat sie dann auch meine Fragen beantwortet. Die von uns gesuchten Verwandten kannte sie nicht. Auch die schnell herbeigeholte Verwandtschaft wusste nichts davon. Wir mussten also wieder weiter ohne viel schlauer zu sein. Wenigstens bin ich jetzt sicher das die Oma ihr Hirn nicht so weggekifft hat das sie sich nicht mehr an ihre Enkel erinnert. Ich habe inzwischen neue Anhaltspunkte und werde weiter suchen.
Auf dem Rückweg waren wir dann noch auf Hartmuts Kuhfarm. Hartmut ist ein Deutschstämmiger Kenianer der die Farm vor zwei Jahren gekauft hat und von dem wir unsere Kühe bekommen. Dort arbeitet auch Matthias, ein ehemaliger Freiwilliger vom Amani Kilolo Kinderdorf. Wiebke und Ich haben dann noch eine neue Kuh für Mbigili ausgesucht. Zum Glück hat uns Matthias fachkundig beraten. Sonst wären wir wohl ziemlich ratlos gewesen.
Dann gab es noch einen kleinen Farmrundgang und weiter ging es nach Iringa. Nachdem ich den ganzen Tag nur zwei Mandaazi (in fett frittierte Teigklumpen) gegessen hatte, musste eine Stärkung her. Derweil mussten wir auf die Kinder warten die an dem Tag im Ruaha National Park waren. Bald standen dann auch 13 strahlende Kinder vor uns und die durften dann auch noch hinten auf den Pickup mit uns ins Kinderdorf fahren. Hinten auf der Ladefläche haben wir uns gemütlich zusammengekuschelt um gemeinsam dem kalten Fahrtwind zu trotzden. Müde und erschöpft kamen wir dann alle in Mbigili an. Nach der herzlichen Begrüßung der Daheim-gebliebenen bin ich dann auch schnell in mein Zimmer gegangen.
Hier könnte der Tag doch eigentlich ein Ende nehmen. Fast schon Bettfertig hörte ich dann lautes Geschrei aus der Garage. Immer die Worte “Piga” “Piga” (Schlag zu, Schlag zu). Leicht beunruhigt schnappte ich mir meine Taschenlampe und rannte zur Garage. Dort versuchten unser Fahrer und unser Nachtwächter gerade eine Schlange zu töten die sich in unserem Hühnerstall eingeschlichen hatte und fröhlich ein paar Eier verspeiste. Ich kam da mit meiner Taschenlampe gerade recht. Schnell bin ich in den Hühnerstall geklettert der über dem Stall liegt in dem eingebrochen wurde. Dort hab ich dann dem Nightwatchmen geholfen der versucht hat den Kopf der Schlange (Black Mamba, 2,5 Meter lang, giftig) mit einem langen Stock durch das Gitternetz zu fixieren. Die ganze Aktion hat dann auch mindestens eine viertel Stunde gedauert. Ich hatte die ganze Zeit eine riesen Angst, dass dieses Mistvieh hoch springt(Ja, Schlangen können springen!). Endlich hat der Gute es dann auch geschafft das Biest zu erwischen. Unser Fahrer hat dann mit einem langen Stock so lange auf den Körper eingeschlagen, bis sämtliche Knochen gebrochen waren. Leicht zuckend haben wir das Vieh dann in das Licht der Scheinwerfer des Autos geschleift und Wiebke angerufen. Die eilte auch schnell herbei um ein Foto von uns Helden und unserem Opfer zu machen. (Wird nachgereicht)
So aufregend ist es leider oder auch zum Glück nicht so oft bei uns in Mbigili.
Angeregt durch Wiebkes letzten Blogeintrag und die vielen interessanten Geschichten in tansanischen Zeitungen will ich nun auch mal aufschreiben was hier so in der Zeitung steht.
Dazu muss ich vielleicht erwähnen das es hier 3 englischsprachige Zeitungen gibt. Wovon zwei seriös und eine auch Regierungskritisch ist.
Die richtigen Schmutzblätter mit witzigen Geschichten gibt es leider nur in Kiswahili. Da reicht mein Kisuaheli mit Müh und Not für die ein oder andere Überschrift (”Warum hübsche Tansanierinnen sich immer an hässliche Weiße ran machen”)
Die meisten tollen Geschichten habe ich leider schon wieder vergessen, aber glücklicherweise habe ich gerade eine Zeitung neben mir liegen. Schauen wir doch mal rein:
- Pastor zusammengeschlagen, beim Versuch seinen Kollegen zu retten (The Guardian 10. Mai 2010)
In dem Artikel wird erzählt wie eine Pastorin von Mitgliedern der Kirchengemeinde in der Kirche eingeschlossen wurde um sie davon abzuhalten die Sonntagsmesse zu lesen. Irgendwie unlogisch, aber okay. Gemacht wurde das um sie zum Rücktritt zu bewegen. Als ein Kollege davon hörte versuchte er die Türen der Kirche zu öffnen und wurde dabei aber von der Gemeinde zusammengeschlagen.
- Polizei jagt Viehdiebe in Arusha (The Guardian 10. Mai 2010)
Die Polizei jagt eine zehnköpfige, bewaffnete Bande die in den vergangenen Tagen über 20 Kühe gestohlen hat. Mehr oder weniger alltäglich hier.
- Dar es Salaam führend in Musik und Filmpiraterie (The Guardian 10. Mai 2010)
Hier geht es aber nur um das Landesinterne Ranking ;-). Ganz ehrlich, selbst wenn ich Filme und Musik legal kaufen wollte, ich wüsste nicht mal wo. Alle Naselang gibt es DVD Verkäufer auf der Straße, die einem die neuste Chinaware andrehen und in den Musikläden gibt man Bestellungen für gebrannte CDs auf. Originale? Noch nie gesehen!
- Studenten erzählt von Vergewaltigung vor Gericht (The Guardian 10. Mai 2010)
Die Story ist auch mehr oder weniger Alltäglich hier. Ein Mädchen wird von den Freund ihres Lovers vergewaltigt. Der Freund kommt später ins Zimmer zurück. Die Mutter hat davon gehört, sagt aber nichts. Das einzige abnormale an der Story ist, das sie vor Gericht landet. Der angeklagte ist auf freiem Fuß gegen Kaution. Die Justiz hier kann man in die Tonne klopfen.
Jetzt noch einige Storys die ich im Kopf habe:
- Mutter ertränkt Kind in Wasserloch (The Citizen)
Grund: Ihr Mann wollte ihr nicht 40.000 Schilling (20€) geben
- Schwuler 30 Jahre vor Gericht (The Guardian)
Schwuler wurde Rechtskräftig zu 30 Jahren verknastet weil er mit seinem Freund geschlafen hat. Der Bruder des Freundes lag im gleichen Zimmer und hat ihn dann vor Gericht gebracht.
- Lehrer bekommt 4 Jahr für Vergewaltigung von Schülerin
Lehrer schwängern und vergewaltigen hier gar nicht so selten ihre Schülerinnen. In seltenen Fällen landen sie vor Gericht und noch seltener im Knast. Wer als Schülerin übrigens Schwanger wurde durfte bis vor einem Monat nicht mal den Abschluss fertig machen. Sinnvoll wenn man bedenkt das 25% der Tansanierinnen vor Vollendung des 18 Lebensjahres Mütter werden. Besonders toll ist auch das Strafmaß im Vergleich zum oberen Fall.
Mal soviel zu den weniger schönen Geschichten aus Tansania. Aber wie in Deutschland auch findet man die selten in der Zeitung, dann schon eher in meinem Blog.
Seit Februar steht die Zeit hier nicht mehr still und kaum etwas bleibt beim alten. Die Änderungen sind jedoch hauptsächlich positiv!
Das Tokensystem wurde inzwischen in allen Häusern eingeführt und die Kinder arbeiten brav mit und haben Spaß an den Wochenendaktionen. Letztens haben wir Chapati gebacken, eine Art Pfannekuchen, den die Kinder eigentlich nur zu besonderen Feiertagen bekommen.
Neben den Erst und Zweitklässern unterrichte ich zwei mal die Woche noch die Sechste und Siebte Klasse in Englisch zweimal die Woche Nachmittags. Das ging in den Ferien ganz gut, aber jetzt wo die Schule angefangen hat kommen die Kinder immer sehr spät heim und die Zeit wird knapp. Mal sehen wie wir da weiter verfahren. Letzte Woche stand jedenfalls Briefe schreiben auf dem Stundenplan. Wir haben gemeinsam ein paar Briefe von deutschen Schulkindern beantwortet.
Wenn Abends noch Zeit ist und gerade keine Arbeit ansteht dann verbringe ich im gelben Haus noch Zeit mit “meinen Jungs”. Die Tür Reckstange war dabei ein eindeutiges Highlight um die absolute Männlichkeit unter beweis zu stellen. Begleitet mit Sprüchen wie “Wavulana tu” (Nur Jungs) habe ich das gute Stück in den Türrahmen geklemmt und ab gings… Gnädigerweise wurde Wiebke dann später auch erlaubt sich mal an dem neuen Sportgerät zu erproben.
Außerdem kommen dann noch viele neue Aufgaben hinzu. Einmal versuche ich einen wöchentlichen Brotverkauf anzuleiern um unseren gro0en Backofen besser auszulasten. In Iringa gibt es das Neema Crafts Caffee in dem viele Weiße sich teures, braunes Brot leisten können. Normalerweise gibt es hier nur lätschiges Weißbrot zu kaufen. Eine ideale Marktlücke. Im Mai gehts los und ich bin schon gespannt!
Des Weiteren dokumentiere ich jetzt was alles so auf der Farm passiert um mehr transparenz in die ganzen Vorkommnisse zu bringen und besser Nachzuvollziehen was mit unserem Produkten wie Milch, Pilzen, Mais etc. passiert. Nicht gerade einfach sich da in den großen Betrieb einzufuchsen und den Feldarbeitern hinterher zu rennen und sich dann auch noch auf Kisuaheli unterhalten zu müssen. Aber ich bin ganz zuversichtlich das es mit der Zeit ganz gut klappen wird.
Heute hat Ingo sich dann auch auf dem Weg nach Dar es Salaam gemacht und gestern gab es dann noch ein kleines Abschiedskochen für unseren Liebgewonnenen Chef zusammen mit Elisabeth (Vivo Doktor). Es gab ganz lecker Indisch essen und bevor ich jetzt aufhöre zu schreiben und mich noch über die Reste hermache noch mal ein kleines Gruppenbild von unserer netten Runde. Danke Ingo, du hast hier einen großartigen Job gemacht!
Hier mal ein Bild von meiner Nachhilfegruppe am Vormittag. Das sind unsere Kinder aus der zweiten Klasse denen ich versuche Englisch beizubringen. Das klappt auf jeden Fall besser als alleine den Kindergarten schmeißen. Wir haben gerade das Alphabet durch. Jetzt wird zu Anfang jeder Stunde einmal kurz Hangman gespielt, damit die merken das Unterricht nicht nur Auswendig lernen und Abschreiben ist. Gar nicht so einfach…
Wenn diese Kids was können, dann von der Tafel abschreiben ohne Nachzudenken. Aber ich habe auch erst vor kurzem Angefangen mit denen, das kommt schon noch. Ich bin zuversichtlich.
Letztens war auch großer Impftag in der Schule. Da das für alle Schulkinder war, ist meine Nachhilfe auch ausgefallen. Also bin ich einfach mal mitgekommen und mir das Spektakel angeschaut. Links auf dem Bild ist unser Großer, Florian mit zwei Klassenkameraden. Eins weiter Rechts ist gerade Uji (Porridge) mit irgendeiner Medizin. Im Hintergrund wird schon kräftig gefuttert. Im Klassenzimmer auf dem zweiten Bild von Rechts steht Sophia an der Messlatte um die Dosis der Mediakation zu bestimmen. Meist sieht Sophia aber fröhlicher aus. Ganz Rechts auf dem Bild warten die Kinder vor dem Klassenzimmer auf die Medizin. Und wer findet da den Mzungu?
Gestern gab es dann die erste Belohnungsaktion für unsere Kinder von dem neu eingeführten Token System. Wenn die Kinder unter der Woche brav mitarbeiten, dann dürfen sie am Wochenende an einer Aktion teilnehmen. Samstags für die größeren Kinder und Sonntag die Kleinen. Passend zu Ostern haben wir Eier ausgeblasen und bemalt. So konnte auch endlich mal die Weihnachtsdeko in den Häusern abgehängt werden ;)
Von dem Inhalt der Eier habe ich dann mit Edgar, Helena, Maria und Achemi noch lecker Omlett gebacken, was wir an alle Kinder verfüttern konnten.
Auch wenn unsere Mamas hervorragend Kochen, manchmal tut ein wenig Abwechslung doch ganz gut und so haben Wiebke und ich uns vorgenommen, einmal in der Woche ins Dorf zu laufen um Chips Mayai(Pommes Omlett) zu essen. Das gibts in Mbigili nur bei Meilance kleinem Restaurant in dem es zwei Gerichte gibt: Chipsi und Chipsi Mayai.
Begrüßen in Kiswahili ist so eine Sache für sich. Es gibt viele Arten sich zu begrüßen. In Deutschland ist das ja bekanntlich einfacher, man sagt “Hallo, wie gehts?” oder noch häufiger: man grüßt sich einfach nicht. Zumindest nicht irgendwelche Leute die einem über den Weg laufen. Hier wird ständig gegrüßt, mal mehr, mal weniger ausführlich. Außerdem, wer die Begrüßungen beherrscht, der hat bei den Leuten schon mal ein Stein im Brett.
Na dann mal los. Ältere Leute sollte man hier respektvoll Grüßen, dazu haucht man am besten:
“Shikamoo” (ausgesprochen: Schikamoo. Heißt soviel wie “Ich liege dir zu Füßen”)
Als Antwort kommt:
“Marahaba”
Der mit Shikamoo gegüßte sagt dann:
“Hujambo” (gesprochen: “Hudschambo” – Wie geht es dir)
Antwort:
“Sijambo” (gesprochen: “Sidschambo” – Mir geht es gut)
Sollte von einem älteren in der Begrüßung ein “Hujambo” kommen, dann ist das auch eine versteckte Aufforderung mit “Shikamoo” zu grüßen.
Wem das noch nicht genug war, der kann sich dann noch nach verschiedenen befindlichkeiten erkundigen:
Dazu reicht ein einfaches:
“Habari?” (Neuigkeiten?)
oder man macht es etwas konkreter mit “Habari za” und dann:
“Nyumbani” (von Zuhause), “Kazi” (von der Arbeit), “Asubuhi” (vom Morgen), “Mchana” (vom Mittag), “Jioni” (vom Abend), “Usiku” (von der Nacht), “Leo” (von Heute), “Mjini” (aus der Stadt, falls der angesprochene gerade daher kommt), “yako” (von dir), “hapa” (von hier)
Und noch tausend weitere Möglichkeiten. Als Antwort kommt immer:
“Nzuri” (gut), “Nzuri sana” (sehr gut), Njema (gut), “Njema tu” (nur gut), “Safi” (Super)
Falls es mal richtig schlecht um einen steht, also man wirklich richtig krank ist dann kann man auch mal folgendes sagen:
“Nzuri kidogo” (ein bisschen gut)
Soviel dazu. Man kann eine Begrüßung aber auch einfach mit “Salamaa” beginnen. Das heißt friedlich und eignet sich besonders wenn man einen Muslim vor sich hat.
Jugendliche oder gleichaltrige grüßen meist mit “Mambo”. Alternativ aber auch “Vipi” (Whats up) oder “Mambo Vipi”. Hier sind die Antwortmöglichkeiten breitgestreut:
Poa, Shwari (gesprochen: Schwari), Mzuka, Mzima, Fresh, Bomba, Safi
So und jetzt schön üben falls ihr mal nach Tansania kommen wollt!
Das Verkehrsmittel der Wahl für Einheimische, Freiwillige und Individualtouristen ist in Tansania der Bus. Kurze Strecken werden mit dem Dalla Dalla zurück gelegt. Das sind gnadenlos überfüllte, mit Gepäck voll geladene Minibusse die fast auseinander fallen. Größere Strecken werden mit Überlandbussen zurück gelegt, da hat man zwar immer einen reservierten Sitzplatz, was die Reise aber nicht weniger Abenteuerlich macht. Die Straßen sind in einem schlechten Zustand, die Busse sind veraltet oder umgebaute Lastwagen, es wird gnadenlos gerast und überall sieht man Unfälle.
Bevor die Reise losgeht muss man sich erstmal ein Ticket besorgen. Große, vertrauenswürdige Buslinien haben meist eigene Ticketbüros direkt an den Busständen oder sogar eigene kleine Busstände wie zum Beispiel Scandinavia. So hat man oft ein wenig Sicherheit, was den Ticketkauf angeht. Trotzdem wurden jeweils ich und Wiebke schon über das Ohr gehauen. Ich musste von Dar es Salaam einmal ganz früh nach Arusha aufbrechen. Um 6 Uhr sollte der Bus laut Verkäufer abfahren. Am nächsten Morgen um halb 6 Uhr in Ubungo war mein Bus aber noch komplett verlassen. Der Fahrer vom Bus neben dran sagt nur schulterzuckend: „Der Fährt immer um 07:30 Uhr los“. Na super! Also auf die schnelle eine neuen Bus suchen der um 6 Uhr losfährt und noch mal 15.000 (ca. 7.50€) zahlen. In dem Bus gab es dann noch mal einen Aufstand von einigen Einheimischen denen einfach ein falsches Ticket verkauft wurde. Ich war also einigermaßen beruhigt das nicht nur weiße über den Tisch gezogen werden.
Das Geld habe ich übrigens wieder bekommen, mein Verkäufer hat wohl nicht gedacht das der doofe Mzungu auf dem Rückweg noch mal vorbei schaut. Aber dafür musste ich nach einiger Zeit auch die ruhige tansanische Diskussionskultur hinter mir lassen, laut werden und mit der Polizei drohen. Wenigstens davor haben die Leute noch Respekt, solang es sich nicht um Verkehrspolizisten handelt.
Aber auch Busstände an sich sind so eine Sache. Besonders unangenehm Arusha und Ubungo (Dar es Salaam). Überall schwatzen Leute auf einen ein und ziehen einen sonst wo hin. Taschendiebe gibt es sowieso massig. Besonders lustig fand ich ja schon die Leute vor Ubungo die mir klarmachen wollten das genau heute Ubungo geschlossen sei und ich das Ticket nun bei ihnen kaufen muss.
Ausfahrt vom Morogoro Busterminal
Hat man also das richtige Ticket und den Busstand überlebt, so kann man endlich in den Bus einsteigen und los geht die Fahrt. Das tolle an Busfahrten ist eigentlich man trifft meist ganz nette Leute mit denen man interessante Gespräche führen kann. Die Landschaft ist auch immer schön, wobei ich das Gefühl hab das ich zwischen Dar und Iringa schon alles kenne, nur wenn der Bus gerade durch den Nationalpark fährt hänge ich garantiert am Fenster für eine kleine Safari auf der man Elefanten, Zebras, Giraffen und Büffel direkt an der Straße sehen kann.
Toll ist es aber auch wenn man gerade in den Bus einsteigt, gemütlich die Zeitung aufschlägt und ließt: Scandinavia Bus bei Mogorogoro ausgebrannt. Zum Glück keine Toten. Ein Foto war auch dabei, mit Bus und Busfahrer. Ich schaue also auf das Foto und dann zu unserem Busfahrer und stelle fest: Der sitzt heute ja schon wieder hinterm Steuer. Bei einem kurzen Halt zeige ich ihm auch das Foto in der Zeitung und er freut sich riesig und ruft gleich seinen Kollegen her und meint ganz stolz: „Schau mal da bist du auch mit mir drauf!“.
Allgemein empfiehlt sich der Blick aus der Windschutzscheibe nicht unbedingt, außer man steht auf waghalsige Überholmanöver. Es ist schwierig einen Busfahrer zu finden der keinen waghalsigen Fahrstil pflegt. Oft genug fährt man an Bussen, LKWs oder Autos vorbei die im Straßengraben gelandet sind, wenn man nicht sogar gleich wegen eines Unfalls, in einen Stau gelangt. Wie vor einem Monat 80 km vor Dar es Salaam. Zusammenstoß von Taxi und Bus während eines Überholmanövers. Weit und breit keine Hilfskräfte außer zwei Verkehrspolizisten die sich nicht kümmern. Das ganze Dorf steht um die Unfallstelle und schaut zu, einige Geschäftemacher tragen noch verwertbare Ersatzteile fort. Irgendwann zieht ein LKW den Bus von der Straße und der Verkehr kann wieder fließen.
Wenn man die Unfälle nicht mit eigenen Augen sieht kann man regelmäßig in der Zeitung darüber lesen. Am Donnerstag gab es wieder einen größeren Unfall, 11 Tote. Die Rettungskräfte kamen nach vier Stunden.
All das sind Geschichten an die man besser nicht denken sollte wenn man einen Bus besteigt. Man muss eigentlich nur darauf vertrauen dass der Busfahrer auch Lebend in den Feierabend kommen möchte.
Hier mal ein paar Bilder wozu sich kein eigener Blogeintrag lohnt. Ich muss auch gestehen das ich in letzter Zeit nicht viel Fotos gemacht habe. Meine Digi Knipse macht einfach nicht sooo tolle Fotos. Aber auch dafür wirds bald Abhilfe geben.

Im Kindergarten können Freud und Leid so nah beieinander liegen. Eine Woche habe ich versucht im Kindergarten alleine zu “Unterrichten” bzw. mich allein um 16 bis 20 Kinder im alter von 1 1/2 bis 7 zu kümmern… Keine Chance. Mir sind die kleinen Racker nur auf der Nase herum getanzt. Auf dem Bild hat Asnati sich gerade einen Stift geschnappt den Kulva auch haben wollte. Für so eine dramatische Aktion kann man schon mal eine halbe Stunde in Tränen ausbrechen. Wobei man dazu sagen muss das Kulva an dem Tag schon von mir erklärt bekommen hat das es nicht toll ist andere Kinder zu schlagen. Wollte er auch nicht so wirklich einsehen. Manchmal ist das Leben ganz schön Hart mit einem, nicht wahr Kulva?


Eigentlich wollte ich gestern sofort nach dem Essen ins Bett, lesen und schlafen. Aber irgendwie haben es “meine” Jungs aus dem gelben Haus geschafft mich noch dazu zu überreden ein bisschen Musik zu spielen. Auf Bongo Flava stehen sie natürlich alle und gehen auch sofort drauf ab, sehr lustig. Eigentlich wäre ein kleiner Ghettoblaster ganz praktisch. Nicht weil der Klang besser wäre als an meinem Laptop sondern weil es dann keinen Bildschirm gibt der eine unglaubliche Anziehungskraft hat. Das sieht dann so aus:

Jetzt ist schon wieder ein Monat vergangen ohne das ich einen Blogeintrag geschrieben habe. Ich hoffe es wird sich in den verbleibenden 7 1/2 Monaten noch mal so einpendeln das es wieder ein wenig häufiger wird.
Wie im letzten Beitrag angekündigt hatten wir die letzten vier Wochen vier Psychologen von vivo aus Deutschland zu Besuch. Vivo ist in vielen Teilen der Welt aktiv und bildet unter anderem Laientherapheuten aus und therapiert auch traumatisierte Kinder. Die vier haben sich auch sofort an die Arbeit gemacht und mit fünf Übersetzern aus Iringa alle Kinder interviewt und Probleme diagnostiziert. In den folgenden Wochen gab es dann Therapien für die Kinder die es am nötigsten hatten. Abends folgten dann noch interessante Workshops zu Themen wie HIV/Aids, Parenting und die Entwicklung von Kindern. Aber auch so konnten wir viel lernen da wir zum Beispiel bei den Trainings für die Übersetzer dabei sein durften und so ein wenig in die Materie eintauchen konnten.
Neben vielen netten Gesprächen hatten “unsere” Ärzte auch noch eine Slackline mit im Gepäck, als Geschenk für das Kinderdorf. Die Slackline ist ein Gurtband das man zwischen zwei Bäumen aufspannt und im Idealfall kann man ganz alleine drauf balancieren. Das Wichtigste jedoch: Die Kinder haben einen riesen Spaß dran. Und so haben wir ein tolles neues Spiel im Angebot.
Die vier Wochen vergingen wie im Flug und dann mussten wir auch schon Abschied nehmen. Es wird aber auch ein Wiedersehen geben, denn Arbeit gibt es hier wie immer genug.
So viel zum Besuch der Ärzte, ich versuch die nächsten Beiträge mehr thematisch bezogen zu schreiben, weniger chronologisch. Ich hätte da folgende Themen im Angebot: Weltwärts Zwischenseminar in Karatu, Busfahren in Tansania – ein zweifelhaftes Vergnügen, Begrüßen in Kiswahili – eine Wissenschaft für sich. Was wird gewünscht? Einfach in die Kommentare schreiben, eigene Vorschläge sind natürlich auch gerne gesehen.
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